Weis Stue

Weis Stue in Ribe ist eines der ältesten und schönsten Gasthäuser in der ältesten Stadt Dänemarks.

Das Gebäude ist ein Fachwehrhaus aus dem 16.Jahrhundert.  Die Einrichtung des Gasthauses stammt aus dem Jahre 1704 und besteht aus dekorierten Decken, holländischen Steingutplatten, Wandpaneelen mit biblischen Motiven – einer Uhr die über 400 Jahre alt ist, sowie einem Taufbecken das ca. 700 Jahre alt ist.

Der Nachtwächter beginnt seinen Rundgang vor der Weis Stue von Mai bis Oktober sowie in der Kalenderwoche 7 und zu Ostern.

Weitere Informationen über die Stadtwanderungen mit den Nachtwächtern bekommen Sie hier

Geschichte der Weis Stue

Unser Haus befindet sich in der ältesten Stadt Dänemarks und ist zudem eines der ältesten Häuser in Ribe.

Ribe wird erstmals von Hamburgs Erzbischof Remberrus in seiner Beschreibung über das Leben des Mönchs Ansgar erwähnt.  Im Jahre 865 beschrieb er, wie es Ansgar gelang, den König Horik II dazu zu bewegen, eine Kirche in “Ripa“ zu errichten.  Ribe wurde durch die Wikinger besiedelt und im Mittelalter weiter ausgebaut.

Im Mittelalter wurde Ribe zu einer großen und einflussreichen Stadt und der Stadtkern ging kreisförmig von der Domkirche aus, die in ihrer heutigen Erscheinung in das 10. Jahrhundert zurückreicht. Ribe erhielt schon früh die Privilegien einer Marktstadt und im Jahre 1288 gab König Erich VI. Menved den Bürgern Ribes die Zollfreiheit im ganzen Königreich.  Als Handelszentrum an der Westküste Jütlands, unterhielt Ribe Handelsbeziehungen mit Hamburg und Bremen im Süden und Bergen im Norden. Schiffe aus Ribe segelten nach Friesland, in die Niederlande, England, Frankenreich und ins Mittelmeer.  Auf der Schiffsbrücke von Ribe konnte man z.B. Seide und andere Luxusgüter erwerben. In Ribe wurden Pferde und Bullen eines großen Einzugsgebiets gehandelt. Im Jahre 1519 wurden 11.000 Ochsen und Bullen gehandelt. Schon zur Zeit von Knut dem Großen und im gesamten Mittelalter, gab es eine bedeutende Münzwerkstatt in Ribe.

Viele unterschiedliche Ordensgemeinschaften haben in Ribe Kloster erbaut. Es gab Benediktinernonnen und Johanniternonnen und auch Franziskanermönche und Dominikanermönche. Noch heute kann man das alte, prächtige Dominikanerkloster sehen, welches zur St. Katharinenkirche gehört.

Kurz um, Ribe ist schon seit Jahrhunderten ein kulturelles und wirtschaftliches Zentrum.

Im Jahre 1580 suchte ein Großbrand die Stadt heim und viele der mittelalterlichen Häuser gingen in Flammen auf.

Weis Stue ist auf eines dieser mittelalterlichen Fundamente errichtet worden.  Das Haus ist in zwei Etagen erbaut und ein Fachwerkhaus mit 8 Gefachen. Jedoch sind Teile des Erdgeschosses gemauert. Das Dach besteht aus Ziegelsteinen. Mauerwerk und Giebel bestehen aus roten Ziegelsteinen und die östlichen Gefache der zweiten Etage bestehen aus Muffen die gemustert angebracht sind. Das Haus verfügt über einen Erker mit einem Dach aus Blei Auf der Straßenseitige ist das Fachwerk schwarz geteert, während es zur Hofseite rot gestrichen ist. Die Lattung ist hier in gelber Farbe gekalkt. Das Haus ist in zwei Bauphasen errichtet worden. Die 5 westlichen Gefache sind um 1600 errichtet worden, während die drei östlichsten Gefache ca. 20 Jahre später errichtet worden. Die Kellerwand zur Straße ist 95 cm dick und besteht aus roten Ziegelsteinen. Im Keller befindet sich ein Brunnen.

Weis Stue ca. 1900

Weis Gård 1900-Jahrhundert

Weis Stue ca. 1915

Weis Stue ca. 1940

Weis Stue 1995

Weis Stue heute

Die Eigentümer des Hauses in den ersten Jahrhunderten nach Erbauung sind unbekannt. Im Jahre 1704 war das Haus im Besitz der Familie Thun, möglicherweise die Eltern von Pastor Peder Thun und Kupferschmied Lorentz Thun. Pastor Peder Thun lebte von 1708 bis 1783 und war Lehrer an der Lateinschule, während Lorentz mit Cicilie Marie vermählt war.  Lorentz übernahm das Haus und seine Ehefrau verkaufte das Haus laut Urkunde am 27. September 1762: “Haus, bestehend aus 8 Gefachen zum Marktplatz mit Wagenschuppen, Werkstatt, Waschküche und Stall, sowie Einfahrt durch den Hof von Raamand Ussing für einen Kaufpreis von 570 Reichstalern“. Der Käufer war Anders Andersen Weis. Die Familie Weis hatte bereits einige Jahre in Ribe gewohnt und gearbeitet, als sie das Haus der Familie Thun kaufte. Die Familie war aus dem Süden eingewandert und hatte sich in einem Haus an der Melledammen niedergelassen, von wo aus sie Handel mit Leinen betrieb.

Anders Andersen Weiss wurde am 4. April 1719 in Ribe geboren und starb dort am 2. August 1795. Er heiratete Karen Marie Johansdatter, geboren am 15. Dezember 1729. Sie starb am 3. Mai 1797 in Ribe. In der Domkirche ist ein Grabstein für Weiss und seine Ehefrau errichtet.  Anders Weiss kaufte das handgesponnene Leinen der Bauern und verkaufte es weiter. In einem Raum, welcher nun mit der Schankstube zusammengelegt ist, hatte er sein Lager. In der Ehe entstanden 7 Kinder, darunter Søren Andersen Weiss, der am 6. Mai 1761 in Ribe geboren wurde und dort am 16. Dezember 1853 starb. Er wurde mit Kirstine Pedersdatter vermählt, die am 22. März 1777 geboren wurde und am 15. Juli 1832 starb.

Søren übernahm laut Urkunde das Haus von seiner Mutter am 1. November 1796 und bezahlte 550 Reichstaler dafür.

Am 8. Dezember 1796 erhielt Søren Weiss den Bürgerbrief als Leinenhändler.Wie lange das Haus schon als Gasthaus gedient hat ist ungewiss. Es war jedoch zu der damaligen Zeit üblich, dass die Landbevölkerung nach dem Verkauf ihrer Leinenwaren in das Haus einkehrten, um ihre mitgebrachten Speisen zu verzehren und Bier und Schnaps zu kaufen. Am 18. Dezember 1830 erhielt Søren Weiss den Bürgerbrief als “Branntweinbrenner und Gasthausbetreiber gemäß der Genehmigung des Amtes“, ungeachtet dessen, dass er keine Prüfung zum Branntweinbrenner abgelegt hatte. Es herrscht allerdings kein Zweifel daran, das bereits vor diesem Zeitpunkt Ausschank stattgefunden hat. Man erzählt sich, dass Madame Weiss 1810 in der alten Gaststube ein strenges Regiment führte. So soll die Wirtin es abgelehnt haben, betrunkene Gäste zu bewirten und diese Abweisungen konnten sehr handfest sein.

Im Jahre 1805 führte Søren Weiss einen Prozess gegen seinen Nachbarn, den Uhrmacher Jens Schultz, wegen der Hofeinfahrt. Durch Gerichtsbeschluss bekam Weiss am 11. Februar 1806 das Recht zugesprochen, das Tor in der Tingslippe für Ein-und Ausfahrten zu nutzen.

Søren und Kirstine bekamen 4 Kinder und das Gasthaus wurde vom Sohn Anders Pedersen Weiss, geboren am 11. Oktober 1813 und gestorben am 21. Juni 1872, weitergeführt. Er heiratete im Jahre 1848 Ane Katharine Clemmensen, geboren am 24. Dezember 1818 und gestorben am 5. März 1889.

Anders Weiss übernahm das Gasthaus und den Hof bereits am 27.Juli 1833, jedoch mit der Konzession des Vaters. Erst am 4. Januar 1859 erhielt er den Bürgerbrief als Branntweinbrenner und Gasthausbetreiber. Anders Pedersen Weiss wurde 1864 zusammen mit anderen angesehenen Herren der Stadt als Geisel nach Rendsburg gebracht. Anders Weiss wurde im Laufe der Jahre Eigentümer etlicher Felder und Wiesen um Ribe herum, vor allem um Forderungen durchzusetzen.

Die letzte Generation der Familie Weiss im Gasthaus war Søren Andersen Weiss, der Sohn von Anders und Ane Katharine, geboren am 8. August 1852. Am 7. September 1883 wurde er mit Karen Jensen vermählt. Durch die Erbschaft im Jahre 1889 übernahm er den Besitz. Er führte den Gasthausbetrieb bis zum Herbst 1913 weiter, wo er den Besitz für 30.000 dänische Kronen an die Gemeinde Ribe verkaufte. Die Familie Weiss hatte bis dahin in 4 Generationen den Gasthausbetrieb und das Geschäft insgesamt 152 Jahre lang betrieben.

Vor dem Verkauf an die Gemeinde, hatte er mit dem dänischen Konsul I.P Holm in New Jersey über den Verkauf des Hauses verhandelt, um das gesamte Haus quer über den Atlantik in einem Museum in den USA unterzubringen. Dieser Plan misslang zum Glück und wurde nie ausgeführt.

Nachdem die Gemeinde den Hof übernommen hatte, wurde mit Hilfe des Architekten Christen Borch in Zusammenarbeit mit Magister Christian Axel Jensen vom dänischem Nationalmuseum, eine umfassende Renovierung der alten Gebäude vorgenommen. Hier wurden einige sehr interessante Dinge gefunden. Z.B. ein Stück Holz mit Initialen und der Jahreszahl 1704.

Nachdem die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen waren, wurde der Hof am 15. Mai 1914 an den Oberkellner Nissen vom Klubbens Hotel vermietet, der als erster Gasthausbetreiber  mit der Gemeinde als Eigentümer den Betrieb führte. Er betrieb das Gasthaus bis 1917, wo der Gastwirt M. Bertelsen und seine Ehefrau Johanne Marie den Betrieb übernahmen. Bertelsen war Malermeister und stammte ursprünglich aus Horsens, ließ sich jedoch in Ribe nieder, wo er ein angesehener Gastwirt wurde.  Er starb am 22. März 1937 aber seine Frau Johanne Marie Bertelsen führte den Betrieb weiter und konnte sogar ihr 25-jähriges Jubiläum in Weiss‘ Stue feiern.

Ihre Nachfolgerin wurde Olga Henriksen, die bis zum 23. Mai 1967 das Gasthaus führte, wo Willy Jung den Betrieb übernahm. Bevor das Gasthaus im Herbst 1967 wiedereröffnet werden konnte, musste eine grundlegende Renovierung des Gebäudes vorgenommen werden, wo z.B. die alten Kachelöfen durch Fernwärme ersetzt wurden. Das Wirtspaar Jette und Knud Nielsen waren im Jahre 1973 die Nachfolger von Willy Jung und betrieben Weiss‘ Stue als Hotel und Restaurant, genauso wie es heutzutage geführt wird. Das Haus erwarben sie von der Gemeinde und daher ist Weis Stue heute wieder in Privatbesitz.

 

Quellen:

  • Hans Henrik Engquist: Erhaltungsplan für Ribe. 1969
  • Zeitungsberichte